Ernst-Jennrich-Theater Dresden

ERNST-JENNRICH-THEATER DRESDEN

Ernst Jennrich

Geboren am 15. November 1911 in Wedringen bei Magdeburg als achtes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie, begann er nach acht Jahren Volksschule zunächst eine Bäckerlehre, entschloss sich dann aber zu einer Lehre als Gärtner, die er auch abschloss. Während des Zweiten Weltkrieges zunächst dienstverpflichtet, später zur Wehrmacht eingezogen, wurde er wegen schwerer Verwundung an der Ostfront zeitweilig vom Kriegsdienst freigestellt, bis er 1944 erneut zur Wehrmacht einberufen wurde. [...] Nachdem er sich als Gemüsehändler versucht hatte, war er zuletzt wieder als Gärtner in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft beschäftigt. Politisch war er vor 1933 in der Sozialistischen Arbeiterjugend, nach 1945 in der SPD/SED organisiert. 1947 trat er aus der SED aus. [...]

Martin Kornmeier als Jennrich

Auf dem weg zur Arbeit hatte sich Ernst Jennrich am Morgen des 17. Juni spontan einem der Demonstrationszüge in Magdeburg angeschlossen, war mit seinem 17jährigen Sohn durch die Innenstadt gezogen und schließlich am Gefängniskomplex Sudenburg angekommen, wo drei Posten erschossen wurden. Ausgerechnet er wurde nun für einen der Toten verantwortlich gemacht, denn er hatte während der turbulenten Szene vor dem Gefängnisbau einen Karabiner an sich genommen, „erbeutet", einmal damit in den Gefängnishof geschossen und das Gewehr danach zerschlagen.

Am 2. Juli wurde 1953 wurde er in Untersuchungshaft genommen - fünfzehn Tage nach dem Aufstand - und am 5. August 1953 vom Staatsanwalt des Bezirksgericht Magdeburg angeklagt, „am 17.6.1953 [...] Boykott- und Mordhetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen begangen zu haben und hierbei nach dem 8.5.1945 durch Propaganda für den Faschismus den Frieden des deutschen Volkes gefährdet zu haben; in Tateinheit damit aus niedrigen Beweggründen heimtückisch, um eine andere Straftat zu ermöglichen, vorsätzlich einen Menschen getötet zu haben."

aus
Todesstrafe für Magdeburger ‚Provokateur'
Karl-Wilhelm Fricke

erschienen in „Deutschland Archiv Nr.5", 1993